Montagsakademie in der Theologischen Fakultät Paderborn

Vorträge in Fortsetzung der Montags­akademie der Theologischen Fakultät zum Thema

Franz von Assisi – ein Armer macht Geschichte

Mo. 5. März 2012

narratio per vestitum – Franziskus und Giotto

Dr. Silke Geppert, Salzburg

Bereits im 13. Jahrhundert wandelt sich das Kreuzigungsbild. Immer mehr Figuren tauchen unter dem Kreuz auf und auch die Bibel wird durch die Exegese und durch Legenden erweitert. Franz von Assisi und Maria Magdalena werden zu den wichtigsten Bußheiligen unter dem Kreuz. Die Stigmatisierung des poverellound die Propaganda des Franziskanerordens machen Assisi zu einem bilderreichen Zentrum, was sich auch auf die Darstellung der Kreuzigung auswirkt. Beide Heilige weisen eine betont vestimentäre (durch Kleidung vermittelte) Ikonographie auf, und beide haben ein persönliches Nahverhältnis zum Gekreuzigten, welches von den Künstlern durch ihre Zwiesprache mit dem Erlöser dargestellt wird.Die Herkunft aus einer wohlhabenden Textilhandelsfamilie in Assisi und Überdruss am Wohlstand prägten die Vita des hl. Franziskus. So ist die Szene der „Lossagung vom Vater“ ein Wendepunkt im Leben des Heiligen. Sie wird in der Oberkirche in Assisi einprägsam dargestellt. Die Kleider des Franziskus bilden hierbei den Mittelpunkt der Erzählung. Dieser u. a. von Giotto gestaltete Bilderzyklus hatte für die Entwicklung der Bilderzählung weit reichende Bedeutung. Im Kontext des Bettelordens und dessen Formen der Bildverwendung entstehen völlig neue Bildlösungen, die ihre Ursache oftmals in textilen Themen haben. Das zunehmende Bemühen um Realismus, der Integration der Alltagswirklichkeit und der Alltagskleidung in die religiöse Bildwelt, der zum ersten Mal in der berühmten Franzlegende der Oberkirche erprobt wurde, ist in diesem Zusammenhang zu verstehen und soll im Rahmen des Vortrages erläutert werden.

Mo. 12. März 2012

Stigmata – Der verwundete Körper
im Werk von Bert Gerresheim

Bert Gerresheim, Düsseldorf, P. Dr. Werinhard Einhorn OFM und
Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Paderborn

Begleitend zur Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ präsentiert die Bank für Kirche und Caritas in Ihren Fenstern eine Auswahl von etwa 20 Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim aus den Jahren 1963 bis 2009, die sich insbesondere der Thematik des Gekreuzigten bzw. des verletzten, stigmatisierten Körpers widmen. Mehrere kleinformatige Bronzeskulpturen oder Gipsabgüsse setzen sich u. a. mit der Figur des Franziskus von Assisi auseinander, dem ersten Heiligen, der die Wundmale Christi empfangen hat und dessen Lebensweg entschieden nachvollzog.

Seit 1976 Mitglied des weltlichen Ordens der Franziskaner, beschäftigt sich Gerresheim intensiv mit der herausfordernden Anfrage des poverello und seiner radikalen Christusnachfolge. Das Werk des Bildhauers und Graphikers ist dadurch gekennzeichnet, dass es in besonderer Weise Vision und Realität zu einer Einheit verbindet. Mit einer kurzen Einführung und einem Podiumsgespräch soll das Oeuvre des Künstlers in seinen vielfältigen spirituellen Bezügen vorgestellt und erschlossen werden.

Im Anschluss ist bei einem Gang zur nahe gelegenen Bank für Kirche und Caritas und einem Stehempfang Gelegenheit die in Paderborn gezeigte Schau zu besuchen.

Montagsakademie
Unter der Leitung von Msgr. Dr. Konrad Schmidt bieten Professoren der Theologischen Fakultät Paderborn und weitere eingeladene Dozenten in der „Montagsakademie“ interessierten Hörerinnen und Hörern theologische Vorlesungen an. Sie finden in den Wintersemestern jeweils montags von 17.00 bis 18.30 Uhr im Auditorium Maximum statt.

Nach dem Ende der Winter-Reihe 2011/2012 werden auf Initiative des Diözesanmuseums weitere besoders angekündigte Veranstaltungen durchgeführt.

Theologische Fakultät Paderborn

Kamp 6 · 33098 Paderborn
Tel. 05251 121-6

www.thf-paderborn.de