Architektur und Raumimpressionen

Neubau von Gottfried Böhm

1967 entschloss sich das Erzbistum  zum Neubau eines Museums, das auf der Südwestseite des Domes entstehen sollte, wo sich bis zur Kriegszerstörung eine drei- bis fünfgeschossige Fachwerkbebauung befunden hatte. Der durch einen begrenzten Wettbewerb ermittelte, vom Preisgericht am 12. Februar 1969 einstimmig favorisierte Entwurf des Kölner Architekten Prof. Gottfried Böhm gelangte in leicht veränderter Form zur Ausführung. Am 25. Mai 1975 konnte der Neubau  seiner Bestimmung übergeben werden.

Bebauung um 1900

Bebauung um 1900

Lage des ehem. Palastes Bischof Meinwerks

Archäologischer Befund

Errichtung des Diözesanmuseums, Trägerkonstruktion, ca. 1972

Errichtung ca. 1972

Hauptraum Diözesanmuseum, Situation 1975 bis 1992

Hauptraum Situation bis 1992 – Ansicht nach Westen

Diözesanmuseum innen unterste Ebene, Situation 1975 bis 1992

Hauptraum bis 1992 – Ansicht nach Nordosten

Die in zwölf Stufen allmählich aufsteigenden Ausstellungsebenen einschließlich der Außenfassaden hängen an einer Trägerkonstruktion, die auf vier Stützen ruht. Diese umgreifen mittelalterliche Gewölberäume. Zwei davon gehören zum ehemaligen Wohnpalast des Paderborner Bischofs Meinwerk (1009–1036). Mit seiner Transparenz nach innen und außen, mit seinem großen Hauptraum, der keine trennenden Zwischenwände und Kabinette im herkömmlichen Sinne mehr kennt, stand das Diözesanmuseum in Paderborn beispielhaft für die Museumskonzeption der späten 1960er Jahre, einer aus der Rückschau betrachtet für die weitere Entwicklung ganz entscheidenden Zeit, in der man das Museum alten Stils in Frage stellte und um ein neues Selbstverständnis stritt.

Der Ruf „Weg vom verstaubten Musentempel – hin zu mehr Offenheit und Transparenz!“ war im Böhm‘schen Museum in Paderborn gebaute Wirklichkeit geworden. Nach innen kultivierte das Gebäude seinen ganz individuellen Stil. Es trug die Signatur des Architekten bis ins Detail der Vitrinen und Postamente.

Mit seinen gestuften Bleifassaden behauptet es sich selbstbewusst wie ein skulptural aufgefasstes Schreingehäuse neben dem Dom, welches die typische und heute durchweg problematisch empfundene Formensprache der Architektur seiner Zeit gottlob weit hinter sich ließ. Das Diözeanmuseum fügt sich gerade heute harmonisch, aber unverwechselbar in die Umgebung des Dom- und Marktplatzes.